Straightforward

für Streichsextett [1994/2017] | Dauer: 13’00”

Noch nie war das Spektrum unterschiedlicher Musikrichtungen und –stile so breit gestreut wie heute. Als Komponist fühle ich mich von zahlreichen Tendenzen und Klangwelten angezogen und bin immer wieder bestrebt, verschiedenste Einflüsse auf eine persönliche Weise miteinander zu verbinden. Gelegentlich ergab sich für mich eine Art “Pendeln” zwischen einer eher “kopflastigen” und einer “bauchlastigen” Arbeitsweise, freilich nie das eine oder andere ganz ausklammernd.

Beim Schreiben von straightforward nahm ich nach einigen konstruktiv ausgerichteten Kompositionen wieder einen eher “spontanen” Standpunkt ein. Es ging mir um die Auseinandersetzung mit traditionellen musikalischen Strukturen und um den Versuch, diese in eine zeitgemäße Sprache einzubinden. Hierbei ergab sich freilich ein (spannender) Balanceakt: permanent der Gefahr einer gewissen Abgeschmacktheit entgegensteuernd, die aus der Verwendung vertrauter Klangwirkungen (etwa durmoll-tonaler Elemente) resultiert, war ich bestrebt, das Gleichgewicht durch ein Zusammenspiel von Harmonik und Rhythmik zu wahren. Dort, wo etwa Dreiklänge Vertrautes zu Gehör bringen, habe ich die Regelmäßigkeit des Metrums bewusst gebrochen; so wird, durch asynchrone Fortschreitungen der einzelnen Stimmen, zu traditionellen Elementen Distanz erzeugt und die notwendige Neutralisierung erzielt, sodass der Eindruck entsteht, Bekanntes ergebe sich unbeabsichtigt, zufällig, nebenbei.

Mit “direkt”, “unmittelbar” oder einfach “drauflos” könnte man den Titel straightforward übersetzen, als Umschreibungen eines Begriffes, der sich adäquat aus dem Englischen ins Deutsche eigentlich nicht übertragen lässt. 

Martin Lichtfuss

Audio: Fassung für Streichorchester – Stuttgarter Kammerorchester, Dennis Russel-Davies

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